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„Wir wollen helfen, soziale Ungleichheit zu überwinden“ Stadtteiltreff Oase in Stuttgart-Rot hat 10-jähriges Bestehen gefeiert

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Stuttgart. Gemeinsam backen, spielen und basteln, Vernissagen erleben und Lesungen lauschen – das ist für die Besucherinnen und Besucher des Stadtteiltreffs im Bürgerhaus Rot alles andere als selbstverständlich.

Das täglich frisch gekochte, preiswerte Mittagessen, Kaffee und Kuchen sind besonders für diejenigen, die in einer wirtschaftlichen und sozialen Notlage sind, wichtige Angebote. Der Stadtteiltreff in Stuttgart-Rot ist in den vergangenen Jahren zu einer Oase geworden für viele Menschen, die sonst eher das Gefühl haben, mühsam die Wüste des Lebens zu durchqueren. Gäste, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende haben am 13. September das zehnjährige Bestehen des Stadtteiltreffs Oase mit einem Fest gefeiert.

Der Stadtteiltreff startete in der Gundelsheimer Straße 51 im kleineren Rahmen und unter schwierigen räumlichen Voraussetzungen. Schon damals hat der Treff im Stadtteil großen Anklang gefunden: bei den Besucherinnen und Besuchern, bei kooperierenden sozialen Diensten und bei Kirchengemeinden. Offensichtlich ist die „Oase“ mehr als ein niedrigschwelliges Aufenthalts- und Beratungsangebot für eine bedürftige, aber oft vernachlässigte Bevölkerungsgruppe.

Seit 2011 ist die Oase an einem neuen Ort zu finden: Im Bürgerhaus Rot können sich die Gäste nun begegnen und an einer Gemeinschaft Teil haben. Seit 2012 wird die Oase von der Landeshauptstadt Stuttgart mit einer Regelförderung unterstützt. Der Stadtteiltreff erhält eine Grundförderung, die eva steuert zwanzig Prozent des benötigten Aufwands über Eigenmittel/ Spenden selbst bei.

In persönlichen Fragen und bei Problemen, bei allen Fragen der Existenzsicherung und bei individuellen Notlagen: Die sozialen Fachkräfte der Oase sind während der Öffnungszeiten immer ansprechbar. Und das ohne Voranmeldung und Wartezeiten. Bei weitergehenden Bedarfen vermitteln die Fachkräfte Kontakt zum sozialen Hilfesystem. Das kommt auch bei den Gästen an. Sie lobten bei der Feier das „freundliche, kompetente Personal“, die Beratung und Diskretion.

In dem Tagestreff gibt es ein umfangreiches Freizeit- und Kulturangebot. Es wird gemeinsam mit den Besuchern und Besucherinnen sowie den Ehrenamtlichen durchgeführt und ständig erweitert. Damit der Stadtteiltreff zu ihrer Oase wird, ist unabdingbar, ihre Wünsche und ihre Meinung aufzunehmen. Dabei haben die Fachkräfte stets einen Blick auf die Ressourcen der Gäste – wie das Schreiben von Gedichten oder Musizieren. Diese werden entdeckt und geweckt. So entstehen beispielsweise Ausstellungen oder Lesungen der Künstler.

In der Oase arbeiten drei hauptamtliche soziale Fachkräfte mit einem Stellenumfang von je fünfzig Prozent. Neben ihnen gibt es in der Oase acht ehrenamtliche Mitarbeitende mit unterschiedlichen Aufgaben in der Küche, der Cafeteria und im hauswirtschaftlichen Bereich. Für ihre Tätigkeit erhalten sie eine Aufwandsentschädigung. Durch ihr Engagement erleben die Ehrenamtlichen, dass sie für andere wichtig sind. Sie gewinnen Sicherheit und können dadurch teilweise wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung finden.

Gina Kochendörfer-Peter, Sozialarbeiterin in der Oase, wies bei der Feier besonders auf die Arbeit mit den Ehrenamtlichen hin: „Sie waren und sind das Herz der Oase. Ohne sie würde es die Oase nicht geben.“ Wichtig sei, ihnen „mit Wertschätzung und Akzeptanz“ zu begegnen. Es gehe „um Selbstwert und Selbstachtung, Tagesstruktur und Gemeinschaft: auch Menschen, die auf eine Beschäftigung nicht mehr zu hoffen wagten, können sich einbringen und mit erhobenem Kopf nach Hause gehen, weil sie für die Gäste der Oase einen wertvollen Beitrag geleistet haben.“

„Wir sehen hier seit zehn Jahren, wie wichtig es ist, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – und das gilt ohne Ausnahme für alle Menschen“, sagte Wolfgang Rube, der als eva-Bereichsleiter für die Oase zuständig ist. „In der Oase wollen wir den Besucherinnen und Besuchern helfen, soziale Ungleichheit und Aussonderung zu überwinden.“

Wie sich das für die Mitarbeitenden anfühlt, berichtete Gina Kochendörfer-Peter: „Es ist jeden Tag eine besondere Herausforderung und lässt auch uns zufrieden nach Hause gehen, weil wieder ein Tag in der Oase gelungen ist, vielleicht ein neuer Gast den Weg zu uns gefunden hat, wir ein Problem mit lösen konnten. Und weil uns das Lachen der Gäste beim gemeinsamen Mittagessen noch in den Ohren klingt.“