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Daten zur Geschichte Zuffenhausens

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Der Namen Zuffenhausen stammt wahrscheinlich von einem angesehenen alemannischen Ansiedler, einem Adligen namens „Uffo“ oder „Offo“ ab und bedeutet eigentlich bei den Häusern des „Uffo“ bzw. „Offo“. Er kann aber wegen der freien geografischen Lage auch von „Offenhausen“ herkommend gedeutet werden.


Im Güterbuch des Klosters Hirsau von Jahre 1150 wird „Offenhusen“ erstmals urkundlich erwähnt, im Jahre 1305 als „Uffenhusen“, im Jahre 1333 als „Zuphenhusen“ und viele Jahre später als „Zuffenhausen“ so wie heute bezeichnet.
Allerdings bestätigen Funde, dass Zuffenhausen schon in der jüngeren Steinzeit um das Jahr 2300 v.Chr. besiedelt war. Die damalige Ansiedlung erstreckte sich von der Höhe des Burgholzes beim früheren Steinbruch am Vorderberg über das heutige Wohngebiet Rot hinweg bis über die Eisenbahnlinie Kornwestheim-Zazenhausen-Untertürkheim. Es handelte sich also um eine Ansiedlung, die wohl zu den größten der jüngeren Steinzeit in unserem Lande gehörte.

Aus der Zeit von 400-200 v. Chr. stammen die zwei großen Grabhügel im Zuffenhäuser Stadtwald. In der Nähe des heutigen Zuffenhäuser Friedhofes, mit dessen Anlegung 1832 begonnen wurde, befand sich, wie durch die bei Ausgrabungen gemachten Funde nachgewiesen werden konnte, ein römischer Gutshof. Die Römer errichteten in Zuffenhausen und Zazenhausen Gutshöfe und Villen. Aus dieser Zeit datieren die beiden Römerstraßen, die durch Zuffenhausen hindurchführten – die heutigen Bundesstraßen B10 und B27. (Ein weitere Römerstraße führte vom Kastell „Auf der Steig“ bei Cannstatt über Zazenhausen, Kornwestheim ins Unterland).

Diese uralte Römerstraße, die vom Oberland und den Fildern über Stammheim und Asperg ins Unterland führte, war das Schicksal von Zuffenhausen. Bei all den vielen Fehden und Kriegshändel, von denen das Mittelalter erfüllt war, wurde es in Mitleidenschaft gezogen, oft gänzlich ausgeplündert und verwüstet. Vorübergehend scheint es daher auch den Standpunkt von der alten zerstörten Kirche weg in das Gebiet der heutigen oberen Hördtstraße gewechselt zu haben, wo auch eine kleine Kirche gestanden haben muss, worauf der Gewandname „Kirchlesäcker“ hindeutete und wovon Reste bei der späteren Überbauung dieses Gebietes in der neueren Zeit gefunden wurden.

In der Zeit der Völkerwanderung, etwa um das Jahr 280, wurde der Römerherrschaft von den über den Grenzwall vordringenden Alemannen ein Ende mit Schrecken bereitet. Alemannengräber wurden schon lange vor der Jahrhundertwende freigelegt in Zazenhausen und beim Bau der Eisenbahn zwischen Zuffenhausen und Feuerbach.

Aufgrund seiner offen Lage war Zuffenhausen immer den Wechselfällen der Geschichte ausgesetzt und immer wieder von durchziehenden Heeren heimgesucht. Liegt Zuffenhausen doch auf der Verbindungsstraße zwischen Stuttgart und Ludwigsburg.Die Zeit des 30-jährigen Krieges bekam Zuffenhausen wie kaum ein anderer Ort zu spüren. Nach der Chronik war der 27. August 1634 (Nördlinger Schlacht) ein schrecklicher Tag. Der Asperg wurde belagert, die ganze Umgegend verheert und ganz Zuffenhausen von fouragierenden Spaniern und Kroaten angezündet. Von der Kirche blieben nur die starken Mauern und der untere Stock des Turmes samt dem Kreuzgewölbe stehen. Von 133 Bürgern fanden sich 41 zusammen, aber auch diese konnten sich nicht halten. Was nicht geflohen war, starb an der Pest. Auf der Schlotwiese musste gegen das Ungeziefer der Wölfe ein „Wolfsgarten“ angelegt werden.

Bis 1845 bestimmten Feldanbau, Obstbau, Viehzucht und Weinbau das wirtschaftliche Leben im Dorf Zuffenhausen. Der Weinbau, heute auf die Gewanne Dachsrain, Vorderberg und Krailenshalde beschränkt, war damals ausgedehnter. Am Schloßbühl, in den Bühlweingärten, aber auch in den Elbelen und im Gügling wurde Wein gepflanzt.

Das Jahr 1846 brachte mit der Eröffnung der Bahnlinie Stuttgart-Ludwigsburg in der Entwicklung des neueren Zuffenhausens einen Wendepunkt, den Wandel zur Arbeiter-Wohngemeinde und damit verbunden ein starker Bevölkerungsanstieg. Der 15.Oktober 1846 war ein großer Tag, als der erste Eisenbahnzug festlich geschmückt an der Haltestelle Zuffenhausen vorfuhr. Bescheiden war der erste Fahrplan: 4 Züge fuhren täglich hin und her.

Das Jahr 1846 brachte für Zuffenhausen noch ein weiteren bedeutendes Ereignis, die erste Industrieansiedlung.
Die bis dahin auf der Schlotwiese befindliche Kleinkinderbewahranstalt wurde nach Korntal verlegt und die frei werdenden Baulichkeiten dann von den Fabrikanten Schüle und Schrade käuflich erworben, um darin eine Baumwoll-, Samt- und Manchester-Fabrik einzurichten. Mit 25 mechanischen dampfkraftbetriebenen Webstühlen wurde in Zuffenhausen gute und dauerhafte Ware hergestellt, die im Inland vorzüglichen Absatz fand.

Die Manchesterfabrik, die Dampfziegelei Knecht und die Ölmühle Feil bildeten bis 1868 die einzigen größeren Betriebe in Zuffenhausen. Doch schon 1875 verlegte die Firma Blessing, eine in Hemmingen gegründete Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen, ihren Sitz nach hier und erweiterte sich in Zuffenhausen erheblich. Diese Firma erlangte durch ihre Erzeugnisse Weltruf und trug als erste dazu bei, Zuffenhausen in Deutschland, Österreich, Ungarn und Frankreich bekannt zu machen.

Einen besonderen Aufschung nahm die Möbelindustrie. Auf der Landesgewerbeausstellung in Stuttgart 1881 hatten sich die hiesigen Schreiner auf Betreiben des Gewerbevereines mit einer vielbeachteten Kollektivausstellung beteiligt. Es folgten von da an immer mehr Bestellungen auf bessere Möbel auch von Seiten der Privatkundschaft. Das brachte das Gewerbe in Schwung, und mit viel Mühe und Stil wurde Zuffenhausen das Zentrum der Holzverarbeitenden Industrie. 36 Firmen waren ansässig, z. B. Aussteuermöbel Ignaz Adam. Nach Stuttgart wurde Zuffenhausen das zweit größte Zentrum.

Die Lage des Ortes Zuffenhausen, die hier billig zu erwerbenden Wohnungen und Häuser und nicht zuletzt das Entgegenkommen der Eisenbahnverwaltung durch Schaffung billiger Fahrgelegenheiten hatten eine starken Zustrom in der 80er Jahren zur Folge, was zur einer Wandlung der Gemeinde Zuffenhausen führte. Viele vertauschten schon zu dieser Zeit das enge Häusermeer und teure Pflaster der Großstadt mit dem frei und gesund gelegenen Zuffenhausen und seiner schönen Umgebung. Wer es irgend machen konnte, brachte ein „Gütle“, und sei es noch so klein, in seinen Besitz.

Das Jahr 1873 brachte als Folge eines schweren Brandunglückes die Errichtung einer Feuerwehr, die jahrelang von Kaufmann Albert Bausch, später von Geometer O. Morlock kommandiert wurde. 1894 kam auf Betreiben von Schultheiß Schlechter die Wasserleitung zustande. Zuffenhausen wurde in früheren Zeiten durch laufende bzw. Druckbrunnen versorgt, die sich jedoch nur im tiefer gelegenen Ortsteil befanden, so dass die Bewohner der neueren Ortsteile gezwungen waren, ihren Wasserbedarf aus diesen Brunnen zu schöpfen.

Nach der Chronik mussten die Hausfrauen recht viel Zeit auf dei Wasserbeschaffung für die Haushaltungen verwenden und frühmorgens und spätabends standen Scharen wasserholender Frauen stundenlang um die Brunnen, bis sie an die Reihe kamen. So mühsam diese Angelegenheit war, so sei doch nicht vergessen, wie wichtig der Brunnen in der Nachrichtenübermittlung für die Zuffenhäuser war. Welche mit Mühsal beladene aber doch glückliche Zeit!

In den 90er Jahren ist die Baulust in Zuffenhausen immer reger geworden. Die damalige bescheidene Industrieansiedlung, die nur geringe Steuereinnahmen brachte, stand jedoch in keinem Verhältnis zu dem lawinenartigen Anwachsen der Bevölkerung und der Gemeindehaushalt geriet immer mehr ins Wanken. Dies war für Zuffenhausen schicksalhaft, denn damit wurde schon damals der Boden gelegt, sich 30 Jahre später nach einem finanzkräftigen Partner umsehen zu müssen.
Am 29. April 1901 wurde das große Mädchenschulgebäude (Silcherschule) am Kelterplatz und am 17. September 1901 das neue Postgebäude bezogen. Die Knabenschule hieß damals Kelterschule. Schließlich konnte am 11. November 1902 die katholische Kirche St. Antonius durch Bischof von Kepler eingeweiht werden und am 8. März 1903 fand in Gegenwart von König Wilhelm II, Königin Charlotte und Herzogin Wera die Einweihung der evangelischen Pauluskirche statt. Der König hielt eine Gottesdienst ab und taufte zwei Kinder, einen Wilhelm und eine Charlotte. Bürgermeister damals war Herr Gutenkunst.

Am 23.April 1907 wurde Zuffenhausen von König Wilhelm II von Württemberg zur Stadt erhoben. Das Stadtwappen zeigt den Zuffenhäuser Hirt, eine historische Figur, beschrieben in der Ballade „Die Döffinger Schlacht“ von Ludwig Uhland. 1907 wurde an der Zazenhäuserstraße gleich neben den Friedhof das Gaswerk errichtet. Die Abwässer des Gaswerkes wurden in den direkt daneben fließenden Feuerbach eingeleitet und im Klärwerk Mühlhausen aufbereitet und in den Neckar geleitet.

Es stellte im August 1931 nach fast 24-jähriger Betriebsdauer die eigene Gaserzeugung ein. Gleichzeitig nahm das Stuttgarter Gaswerk Gaisburg die Versorgung von Zuffenhausen auf, nachdem die Gasleitung von Feuerbach her einige Tage zuvor fertiggestellt war. Zwei Gasometer blieben wegen der Druckregelung des Gases für Zuffenhausen zunächst noch stehen. Der erste Behälter wurde April 1946, der zweite 1948 abgebrochen.

In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts wurde die Finanzlage der Stadt Zuffenhausen zunehmend schlechter. In Zuffenhausen wurden zu der Zeit keine Gewerbeflächen ausgewiesen. deshalb kam auch der wirtschaftliche Zusammenbruch 1929. In einer Volksabstimmung sprach sich die Bevölkerung für einen Zusammenschluss mit der Stadt Stuttgart aus. Am 1. April 1931 wurde die Eingemeindung wirksam.

Nach dem Krieg folgte ab 1949 ein rascher Wiederaufbau. Das Bezirksrathaus wurde 1953 errichtet mit dem Mütterbrunnen von Fritz Nuß. Bis zum Jahre 1957 wurde mit dem Stadtteil Rot die damals modernste Siedlung Westdeutschlands geschaffen. 15000 Neubürger fanden dort Ihre Heimat. Der Stadtteil Rot gilt als Beispiel für eine durchgrünte Wohnsiedlung.

Heute ist Zuffenhausen ein wichtiger Wirtschaftsstandort mit ca. 28000 Arbeitsplätzen. Neben weltweit bekannten großen Firmen besteht eine ausgewogene Struktur von kleineren und mittleren Betrieben. Mittelpunkt ist heute der Zehnthof mit der 400 Jahre alten, in Jahre 1988 renovierten Zehntscheuer. Die Marbacherstaße im alten Flecken mit der Johanneskirche und dem Pfarrhaus war früher die alte Dorfstraße.